Moorschrättele am Mindelsee mystisch

Die sage der Mindelsee Moorschrättele 

Vor langer Zeit, als die Gletscherzunge des Rheingletschers schmolz, entstand in der Nähe des heutigen Bodensees ein geheimnisvolles Sumpfloch. Daraus entwickelten sich Moore und Torflandschaften — ein einzigartiges Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt.
Moorenten, Libellen und Fledermäuse fanden hier ebenso ein Zuhause, wie unzählige andere Lebewesen,
umgeben von einem dichten Rotbuchenwald.

In diesem verborgenen Naturreich lebten einst auch die scheuen Moorschrättele. Sie übernahmen die Aufgabe, diese Flora und Fauna zu schützen. Immer bei Vollmond brauten sie ihr geheimnisvolles Lebenselixier aus seltsamen Zutaten: 
Moorentenkot, Krötenschleim und andere nicht überlieferte Pflanzensäfte
— ein Trank, der ihnen Unsterblichkeit verlieh.

Jahrtausende später kamen die Menschen, stachen den Torf und legten große Teile der Moore trocken. Der heutige Mindelsse schrumpfte, Lebensräume gingen verloren und die Moorschrättele verloren nach und nach ihren Lebensraum.
Sie zogen sich immer weiter in ihre Verstecke zurück.
Schließlich wagten sich nur noch nachts, im Schutz des Vollmonds, hinaus, um ihr Lebenselixir zu brauen und weiterhin unsterblich zu bleiben.

Doch ihre Einsamkeit wuchs und sie dachten darüber nach, das Lebenselixier nicht mehr zu brauen und mit der Natur zu vergehen.
Doch ihr Verschwinden hätte Unheil über Mensch und Natur der Region gebracht. Daher fassten sie einst an einem 11.11. einen Entschluss:

Immer zur Fasnachtszeit verlassen sie seither ihr Versteck und mischen sich unerkannt unter die Menschen. Dort sammeln sie neue Lebensfreude bei Tanz und Geselligkeit — genug, um davon bis zur nächsten Fasnacht zu zehren.

Deshalb gebt gut Acht,
Moorschrättele kennen weder Tag noch Nacht.
Bei ihnen wird getanzt und herzlich gelacht.
Keiner bleibt je allein –
man hakt sich gemeinsam zum Schunkeln ein.

Jeder spricht mit jedem, ganz frei und offen,
die Freude sprudelt – ganz ohne Zoffen.

Doch eines gilt, denn das ist gewiss:
Es zählt nurdas Wir,
weil gemeinsam besser ist.

Drum wundre dich nicht, wenn mal ganz sacht,
ein Schrättele plötzlich neben dir lacht.
Und dir, ganz leis und unverweht,
ein nettes kleines G’schichtle erzählt.